Newsletter #75 Der Winter klopft an:Nasskalte und stille Tage am Kap!

Wenn der Himmel am südlichsten Punkt Afrikas tief hängt, sollte man eigentlich keinen Hund vor die Tür schicken, doch auch viele Hunde in den Townships sind heimatlos.

Liebe Freundinnen und Freunde von Golden Sunbeams,

jetzt ist der Winter hier am Kap angekommen – leise, nass und deutlich spürbar. Seit dem offiziellen Winterbeginn am 21. Juni sind die Temperaturen ziemlich abgekühlt. Die Regenwolken zogen in den letzten Wochen über das Land und der Wind trägt die klare frische Luft des Südens mit sich.

In den letzten Wochen hat der lang ersehnte Regen endlich die trockene Erde genährt und dafür gesorgt, dass sich die Staudämme langsam wieder füllen – ein Segen für die Menschen und für die Natur.

Auch wenn wir die 100% Füllstandsmarke der Staudämme noch nicht erreicht haben, so liegen wir jetzt dennoch über dem Vorjahresniveau, und wir befinden uns ja erst am Anfang der nasskalten Jahreszeit. So betrug der Durchschnitt der Füllmenge der Staudämme in Kapstadt am 11. Juli 2025 81,3,%.

Foto vom Wemmershoek Damm bei Kapstadt (Füllmenge am 14. Juli 2025 84,0%).
Doch wie so oft im Leben hat auch dieser Segen der Natur eine Kehrseite. Was für manche Freude ist, bringt für viele Menschen in den Townships große Herausforderungen mit sich. Die starken Regenfälle haben Straßen überflutet und damit die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen verschärft. Viele Abflüsse zur Wasserkanalisation sind komplett oder so stark verstopft, so dass das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann. Es sammelt sich auf den Straßen, und macht diese teilweise unbefahrbar. Da die Straßen in den Townships zum Teil sehr große Löcher haben, die man nicht sieht, wenn sich die Straßen zu kleinen Flüssen entwickeln, ist es in dieser Zeit gefährlich dort Auto zu fahren.

Da das Regenwasser nicht abfließen kann, bleibt es stehen – und bahnt sich dann seinen Weg in die Häuser, die von unten her feucht und teilweise komplett überschwemmt werden. Die nasskalten Tage und Nächte sind für die Menschen, aber auch für die Tiere, nicht nur unangenehm, sondern stellen sogar eine ernste Belastung dar – physisch wie psychisch.

Nachdem in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni ziemlich viel Regen gefallen war, haben wir in der Früh unsere Kindergärten kontaktiert. Wir waren sehr froh, dass die meisten uns positives Feedback geben konnten. Besonders gefreut haben wir uns, dass das Dach bei unserem Kindergarten Helderberg Golden Sunbeams in Macassar endlich dicht ist. Wir hatten viele Jahre immer wieder versucht die Sollbruchstellen dicht zu bekommen und nun, nachdem wir im April noch einmal einen großen Teil des Daches neu gedeckt haben, sieht es wirklich so aus, als wenn wir es geschafft hätten. Es gab auch nach diesem heftigen Regen dort keine Wasserschäden!

So haben wir uns dann auch endlich daran gewagt, eine neue Innendecke einzuziehen und sie anzustreichen.

Nur zwei von unseren Kindergärten haben uns nach den heftigen Regenfällen um Hilfe gebeten. Lekkerbekkies Edu-Care Center und Loflands Day-Care Center, beide aus dem Township Rusthof, meldeten größere Wasserschäden.

Bei Lekkerbekkies war der gesamte Durchgangsbereich, der mit Kunstrasen ausgestattet ist nass geworden, weil der Abfluss verstopft war. Hinzu kam, dass die Regenmassen die Kapazität der Regenrinne vollkommen überforderten. Aus diesen Gründen haben wir eine zweite Regenrinne am Dach anbringen und einen neuen Abfluss installieren lassen.

Ausserdem hat es bei Lekkerbekkies wieder in die Küche reingeregnet, die sich im Altbau des Kindergartens befindet. Wir haben die undichte Seite des Gebäudes neu versiegelt, und hoffen, dass wir damit die Küche nun endlich abdichten konnten.

Als uns June, die Kindergartenleiterin vom Kindergarten Loflands Day-Care die Wasserschäden zeigte, war ziemlich schnell klar, dass hier größerer Handlungsbedarf besteht.

Angefangen beim Abstellraum, der an mehreren Stellen Wasserschäden hat, weil das Dach undicht ist, bis zu vielen Undichtigkeiten am Dach beim Haupthaus, wo sich die Küche befindet. Hier hat es so stark reingeregnet, dass sich die Innendecke gelöst hatte.

So wurde die Liste der notwendigen Arbeiten, die unser Bauleiter bei June aufgenommen hat, leider auch ziemlich lang. Und da wir dann schon einmal dabei waren, haben wir einen zusätzlichen Wunsch von June mit auf die Liste genommen. Sie bat uns den überdachten Spielbereich für die Kinder durch ein erweitertes Schattendach zu vergrößern, um den Spielbereich auch bei Regen nutzbar zu machen.

Während der Regen leise auf das Blech der Dächer trommelt und der kalte Wind durch die Gassen der Townships pfeift, haben die Schulkinder drei Wochen Winterferien. Was für manche nach Erholung und Geborgenheit klingt, bedeutet für viele Kinder in den Townships oft Leere und Entbehrung. Ohne den täglichen Schulbesuch fällt oft auch die einzige warme Mahlzeit des Tages weg. Statt Lernen, Spielen und Gemeinschaft in der Schule herrschen zu Hause oft Langeweile, Hunger und das Gefühl, ständig zu frieren.

Aus diesem Grund haben wir die Ferienzeit genutzt, um uns mit einigen unserer Patenkindern im überdachten Einkaufszentrum zu treffen. Nach einem ausgiebigen Mittagessen haben wir dann viele schöne warme Kindersachen eingekauft, damit sich die Kinder in der Winterzeit nicht unterkühlen.

So können wir zumindest an diesem einen Tag mit Freude, Wärme und Herz dafür sorgen, dass die Zeit nicht von Hunger und Einsamkeit geprägt ist, sondern von Gemeinschaft, Fürsorge und kleinen Momenten des Glücks. Und die Tage vor unserem Treffen werden mit Vorfreude erfüllt, und an den Tagen nach unserem Treffen bleiben nicht nur die vielen schönen warmen Jacken, Pullover, Trainingsanzüge und Winterschuhe, sondern auch die wunderschönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit.

Einige unserer ersten Patenkinder haben bereits selber Kinder, die wir, seitdem sie Babies waren, unterstützen. Und diese sind jetzt auch schon aus den Kindergartenschuhen herausgewachsen und besuchen inzwischen die Grundschule.

Amala mit ihrer Pflegemutter Alice kennt Britta schon aus ihrer Zeit, als sie noch für Hope & Light in Sir Lowry’s Pass gearbeitet hat. Zu dieser Zeit war auch Osvin Nöller schon der Pate und Unterstützer von Amala, die damals noch ein kleines Kindergartenmädchen war. Als Alice mit ihrer Familie das Kinderdorf von Hope & Light verließ, nahm sie auch ihre Pflegekinder mit, und gab ihnen ein neues Zuhause. Seit dieser Zeit unterstützt Golden Sunbeams gemeinsam mit ihrem Paten ihre Ausbildung. Sie ist heute ein selbstbewusstes junges Mädchen, das Ende nächsten Jahres ihr Abitur macht.

Bei unserem gemeinsamen Wintereinkauf berichtete Amala über ihre erfolgreichen und weniger erfolgreichen Schulfächer, und dass sie sich schon sehr auf die große Matric-Party freut (eine Art Schulball, der für alle Absolventen im nächsten Jahr bereits vor den Examen stattfindet).

Wir bedanken uns von Herzen bei unseren Paten für die regelmäßige Förderung ihrer kleinen und immer größer werdenden Schützlinge. Und wir bedanken uns bei all unseren Mitgliedern und Sponsoren, die durch ihr Engagement diese wunderbaren Unterstützungsprojekte überhaupt erst möglich machen. Jede Unterstützung – sei sie noch so klein – kann für ein Kind Hoffnung und Freude bedeuten. Denn Hoffnung beginnt dort, wo Menschen nicht wegsehen.

Herzliche Grüße

Eure Britta und eure Claudia